Urheberwurst


Mal angenommen. Man hat ein klitzekleines Video. Einfach mal so live mitgeschnitten, was das Leben an Albernheiten so gebiert. In diesem Video ist auch etwas musikalisches zu hören, was die Situationskomik nur noch steigert.

Weil es so schön war, möchte man das Video hochladen.

Aber was passiert dann? Das Videoportal scannt offenbar das Material verflucht gründlich – und das allein ist eigentlich schon unheimlich genug – und weist einen unhöflich, aber bestimmt drauf hin, dass bei $_Zeitmarke doch urheberrechtlich geschütztes Material enthalten ist. Und dass man das auch ganz ohne Gewinnabsicht nicht darf.

OK, drauf geschissen. Ihr könnt mich selbstverständlich alle mal.

Aber nur mal den Gedanken weitergesponnen.

Beispielsweise das tagtäglich sicher tausendfach abgesungene Geburtstagsliedchen „Happy Birthday“ ist noch bis mindestens 2016 urheberrechtlich geschützt und nicht gemeinfrei (sagt Wikipedia).

Da könnte man doch als geschäftstüchtiger Rechteverwerter mal auf folgende Idee kommen:
Man verlangt von Nutzern sozialer Netzwerke in Abhängigkeit von der Anzahl ihrer dort verbundenen Freunde, und berechnet nach einer komplizierten Formel, die statistisch abgesichert berechnet, wie viele der Freunde man tatsächlich live kennt, wie viele davon so nahe wohnen, dass die realistische Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Nutzer zu ihrem Wiegenfest eingeladen wird und in wie vielen Fällen von solchen Feierlichkeiten auch das bewusste Lied gesungen wird, einen jährlichen Obulus.

Anschließend findet sich durch die Gunst des untereinander vernetzt Seins eine Interessengruppe nachweislich attestiert soziophober, die ausschließlich über eben dieses Netzwerk kommunizieren, die gegen die pauschale Zwangsgebühr klagen…

Soweit, so skurril.

Meine schlimmste Befürchtung ist aber immer noch, dass im Falle dieser Gebührenerhebung sich das übliche Rudel konservativer junger Hunde fände, die sich auf die Seite der ‚Rechteinhaber‘ stellen und den Standpunkt vertreten, das sei nun mal eben so, geistiges Eigentum, und das ginge eben nicht, dass jeder einfach so singen kann, was eigentlich einem ganz anderen gehört.

Von wegen, die Gedanken sind frei …

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